Berührung in der frühen Kindesentwicklung
- Berührung ist eine magische Brücke und ich nehme sie als etwas Heilsames wahr -
Seit Geburt und sogar während unserem perinatalen Sein, suchen wir nach Verbindung und Beziehung. Wir brauchen sie, um zu überleben. 1971 hat Ashley Montagu in seinem wegweisenden Buch “Touching: The Human Significance of the Skin“ erläutert, weshalb Haut-zu-Haut-Kontakt wichtig für die gesunde Entwicklung von Säuglingen ist. Er beruft sich auf frühere Forschungsarbeiten, die sich mit der hohen Säuglingssterblichkeit in Waisenhäusern befassten. In manchen Fällen lag diese bei 30 – 40 %, obwohl die lebenswichtigen physischen Bedürfnisse erfüllt wurden. Montagu führte dies auf unzureichende physische Zuwendung durch Berührung zurück sowie auf das unzureichende Beziehungsangebot, zu dem auch die angemessene Stimulierung durch ein einfühlsames Betreuungspersonal gehört (Montagu 1971).
Berührung wirkt sich positiv auf die beim Stillen notwendige Verbundenheit aus, auf die Gewichtszunahme, das Immunsystem und das hormonelle Gleichgewicht (Bigelow et al. 2014). Eine Studie an rumänischen Waisenkindern ergab, dass Babys, die länger als acht Monate in einer Anstalt gelebt hatten, im Vergleich zu denen mit einer Aufenthaltsdauer von weniger als vier Monaten, höhere Mengen an Kortisol und niedrigere Mengen an Oxytocin und Vasopressin aufwiesen. Berührung hat einen direkten Einfluss auf die Hormone, welche die Bindung und Affektregulation unterstützen. Bei Neugeborenen wirkt sie beruhigend auf das Nervensystem und verbessert den Schlaf (Bigelow et al. 2014).
Haut-zu-Haut-Kontakt wirkt sich bei Kindern sowie der Bezugsperson positiv auf physiologische Veränderungen aus, welche die Regulation fördern.
Berührung als Weg in die vertrauensvolle Beziehung
Wir existieren in einer wechselseitigen Abhängigkeit zueinander.
Unser Leben entwickelt sich abhängig von der Natur der Beziehungen, denen wir im Lauf unseres Daseins begegnen und selber kreieren.
Das Gefühl von Sein und Wohlsein ist davon abhängig und beeinflusst unser Gefühl der Kontinuität des Seins-Zustandes.
Ein direkter Weg in Beziehung zu kommen ist über Berührung. Sie braucht keine komplizierten Methoden, um verstanden zu werden.
Berührung ist Kommunikation und für das Überleben von sozialen Lebewesen unverzichtbar. Durch alle Lebensphasen hindurch ist Beziehung und Verbindung ein elementares Grundbedürfnis.
Dabei bietet die Craniosacral Therapie eine wundervolle Art und Weise, über Berührung in Beziehung zu kommen. Ich nehme sie als magische Brücke und als etwas Heilsames wahr.
In meiner therapeutischen Arbeit stelle ich fest, dass eine klar ausgerichtete Berührung ein vertrauensvolles, haltendes Feld kreiert. Diese Art von Feld kann Orientierung und Sicherheit schaffen. Es stellt für mich ein Tor zur Heilung dar. Dadurch kann Co-Regulation geschehen. Gelingt dies, lässt sie die Selbstwahrnehmung wachsen, baut Ressourcen auf und befähigt das System zur Selbstregulation.
Ich beobachte, dass Menschen, welche mit sich durch die Craniosacral Therapie in Beziehung kommen ein Gespür für ihre Selbstwahrnehmung entwickeln.
Sie lernen sich besser zu regulieren. Diese Selbstermächtigung eröffnet neue Möglichkeiten, auch die Möglichkeit, mit dem Positiven in Kontakt zu sein.
-von Roger Lüthi